Tag: Universaldienst

Liberalisierung des Postmarktes.

Ich freue mich unseren Gastblogger Dr. Georg Krause, Deloitte Consulting, begrüßen zu dürfen.

In den Medien und teilweise auch in den Kommentaren zu Ihrem Blog wird eine Diskussion über die Österreichische Post insbesondere die Schließung der Postämter geführt, die manchmal den Anschein erweckt, als wäre die Situation in Österreich einzigartig und die Post-Manager –oder wer immer- schuld daran, dass sich die Post in dieser Situation befindet.
Wir von Deloitte beraten in vielen Ländern der Welt die jeweiligen Postunternehmen (UK, Deutschland, Holland, Frankreich, Belgien, USA, Australien, etc) und sehen, dass durch die Liberalisierung große Veränderungen stattfinden, auf die die Post selber aber auch der Gesetzgeber entsprechend reagieren müssen. Dazu einige Fakten als Denkanstöße:

1) Eigenbetriebene Poststellen nach der Liberalisierung

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Die Umwandlung von eigenbetriebenen Postämtern zu Postagenturen/Post.Partnern ist daher eine internationale Entwicklung, da sich das Geschäft der Post gewandelt hat. Der Einzelbrief hat drastisch an Bedeutung verloren, die Anzahl der Besuche im Postamt und die Inanspruchnahme der Leistungen im Postamt hat sich entsprechend reduziert.

2) Die Liberalisierung 2006 hat die Royal Mail (also quasi die Post in UK) binnen 2 Jahren an den Rande des Ruins getrieben. Die Altlasten aus Pensionsverpflichtungen, sowie die bestehende Infrastruktur und die Vorschriften des Regulators insbesondere hinsichtlich Zutritt für Mitbewerber zum Netzwerk der Post haben die britische Post binnen kürzester Zeit zu einem Verlustbringer gemacht, der ohne Partner nicht mehr lebensfähigt ist. (s. dazu Studie „Modernise or decline“ vom 16.12.2008)
Die Schaffung von Rahmenbedingungen durch Gesetzgeber und Regulator in Österreich ist mit dem erforderlichem Augenmaß durchzuführen, sonst droht eine ähnliche Entwicklung auch in Österreich.

3) Die oft befürchtete Verschlechterung der Basisleistungen der Post wird nicht stattfinden, da die wesentlichen Parameter der sogenannten Universaldienstes (wie z.B. Zustellung 5 mal pro Woche) auf EU Ebene auch für die Zeit nach der Liberalisierung festgeschrieben sind. Allerdings zeigt sich in den liberalisierten Ländern, dass sich die Mitbewerber auf das Geschäft mit den Firmenkunden konzentrieren, wo große Mengen zu „holen“ sind. Dadurch findet dort ein Preiskampf statt, während im Privatkundengeschäft (Einzelbriefe) tendenziell die Preise nach oben gehen.

Dr. Georg Krause, Deloitte Consulting

Der Universaldienst, die Universaldienstverordnung.

Dieses Schlagwort ist in aller Munde bzw. in allen Medien. Aber was steckt wirklich dahinter? Und was bedeutet der Universaldienst für die Post und ihre Kunden? Auf diese Fragen möchte ich in meinem heutigen Eintrag näher eingehen.

Universaldienstverordnung
Diese zu Beginn des Jahres 2002 vom Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie erlassene Verordnung legt Qualität und Umfang des Universaldienstes im Postbereich als Verpflichtung des Universaldienstbetreibers (Österreichische Post AG) fest. Zweck dieser Verordnung ist nach § 1 „eine den Bedürfnissen der Kunden entsprechende, qualitativ hochwertige, flächendeckende und allgemein erschwingliche Versorgung der Bevölkerung mit den im Rahmen des Universaldienstes zu erbringenden Postdienstleistungen zu gewähren“. So weit der Gesetzestext.

Dieser Verpflichtung und Verantwortung gegenüber unseren Kunden sind wir uns bewusst und treten daher auch nach der vollständigen Liberalisierung des Marktes am 1.1.2011 für eine nachhaltige Absicherung des Post-Universaldienstes ein.

Denn ab dann dürfen auch andere Firmen sämtliche Postdienstleistungen anbieten (derzeit darf ausschließlich die Österreichische Post Briefe unter 50 Gramm zustellen). Ob diverse Anbieter auch die entlegendsten Gebiete Österreichs mit Post versorgen werden können (und wollen), ist fraglich.

Was ist nun der Universaldienst?
  • Die tägliche Zustellung von Briefen und Pakten an 3,9 Millionen Haushalte (das schließt auch die entlegendsten Ortschaften in Österreich mit ein) und Geschäftsadressen
  • Aufrechterhaltung eines flächendeckenden Poststellennetzes
  • Einheitstarif in ganz Österreich
Das alles kostet viel Geld. Niemand der neu ins Postgeschäft eintritt, würde freiwillig diese Versorgungsleistungen für die österreichische Bevölkerung erledigen.

Das Post.Partner-Konzept ist eine unserer Antworten auf die komplette Öffnung des Marktes in weniger als 20 Monaten. Damit setzen wir heute die notwendigen Maßnahmen, um auch morgen allen unseren Kundenansprüchen in gewohnter Qualität gerecht werden zu können.

Was ist ihre Meinung dazu? Gerne beantworte ich diese nach meinem Urlaub.