Tag: Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit von Postfilialen.

Die Frage, ob und warum eine Postfiliale nicht wirtschaftlich ist, wird mir in letzter Zeit immer wieder gestellt.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir sämtliche Postfilialen genauestens geprüft und einer Wirtschaftlichkeitsrechnung unterzogen haben. Und das über einen längeren Zeitraum hinweg, um wirklich objektiv entscheiden zu können.

Für unsere Kunden ist dies oft nur schwer nachvollziehbar. Ihnen erscheinen manche Postfilialen, die auch von einer Schließung betroffen sind, ganz und gar nicht unwirtschaftlich. Bitte vergessen Sie nicht, dass zu Stosszeiten natürlich immer mehr los ist und dadurch ein völlig anderer Eindruck entstehen kann.

Prüfungen haben ergeben, dass in den von der Umwandlung betroffenen Postfilialen durchschnittlich 8 eingeschriebene Briefe, 6 Erlag- und Zahlscheine, 13 Pakete, 45 Briefe oder Briefmarken und 1 EMS Sendung in Summe über den Tag verteilt aufgegeben werden. Das ist wirklich nicht besonders viel. Eine Kleinstfiliale schafft es gerade einmal durch die Erträge die Personalkosten zu decken. Weiters müssen auch die Standortkosten abgedeckt werden. Davon ergibt sich ein Verlust von rund € 40.000,-.

Oft werden wir auch gefragt, warum die alten Postamts-Gebäude nicht einfach verkauft werden und die Post lediglich für einen kleineren, tatsächlich benötigten Raum Miete bezahlt. So einfach ist diese Rechnung aber leider nicht. Wenn wir ein Gebäude, dass im Besitz der Post AG ist, verkaufen und nur die Räumlichkeiten mieten, die wir benötigen, wäre die Rückmiete inklusive der Betriebskosten um einiges teurer. Und außerdem werden einer Filiale schon heute nur die anfallenden Kosten für die tatsächlich benutzte Fläche zugeordnet. Die Restkosten des Hauses belasten die Filiale nicht. Deswegen soll dort, wo wir mit unserem Geschäft alleine Verluste machen, es jemand anderer übernehmen, der es genauso gut macht, und so in Summe mit seinem Stammgeschäft erfolgreich ist. Damit wir dort, wo wir unersetzbar sind, investieren können.

Glauben Sie mir – mit neu gewonnenen Post.Partnern, die engagiert und verlässlich unsere Postdienste auch in kleineren Gemeinden anbieten, sichern wir unser Unternehmen und gleichzeitig auch auf beste Weise die Versorgung unserer Kunden mit Post- und Bankdienstleistungen in ganz Österreich.

Warum ich einen Blog schreibe?

Als Vorstandsmitglied der Post habe ich in meinem Verantwortungsbereich meinen Beitrag zu leisten, die Post für die vollständige Marktöffnung 2011 und den erwarteten Wettbewerb fit zu machen.

Wir wollen gemeinsam erreichen, dass die Post im bevorstehenden Wettbewerb erfolgreich bestehen kann und nicht wie beispielsweise in Großbritannien bereits 2 Jahre nach der Liberalisierung kurz vor dem finanziellen Ruin steht, und man ernsthaft über einen Verkauf ans Ausland und Massenentlassungen nachdenkt.

Die notwendigen Vorbereitungen sind zu treffen, um die Post zu einem starken Spieler im Wettbewerb zu machen und dazu sind einige Änderungen notwendig und das obwohl die Post heute noch, insbesondere aufgrund des noch bestehenden Monopols, gute Gewinne erwirtschaftet.

Mit diesem Blog will ich die modernen Kommunikationsmöglichkeiten, denen ich gegenüber aufgeschlossen bin, nutzen, um interessierte Menschen, innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens direkt und ohne Filter und Umwege anzusprechen. Ich will darin unsere Überlegungen und Vorhaben erläutern aber vor allem auch in den Dialog treten.

Ich bin mir der Bedeutung der österreichischen Post für die Infrastruktur und Versorgung unsere Landes, sowie der Verantwortung für mehr als 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst. Ich lade Sie daher mit diesem Blog ein, sich selber ein Bild zu machen, wo unser Weg hingeht und warum das, was wir vorhaben hilft, die Post als österreichisches Unternehmen und damit die Versorgung in Österreich mit Postdienstleistungen abzusichern. Ich lade Sie aber auch zum Dialog ein. Ich werde versuchen im Rahmen meiner Möglichkeiten, auf Ihre Fragen, Befürchtungen und Anregungen einzugehen.

Helfen Sie mit, unsere Post erfolgreich in die neue Zeit zu bringen.

Ihr
Herbert Götz

Warum müssen die Postämter überhaupt geschlossen werden?

Sie können mir glauben, diese Frage habe ich in den letzten Tagen sicher an die hundert Mal beantworten müssen und ich gebe immer dieselbe einfache Antwort: weil sie sich nicht rechnen.

Sie können sicher sein, wenn wir einen Weg wüssten, die Postämter rentabel zu gestalten, würden wir dies machen. Aber in allen Ländern, in denen die Liberalisierung des Postmarktes bisher stattgefunden hat oder vorbereitet wurde, musste die Post ihre eigenbetriebenen Poststellen reduzieren. In Ländern wie Finnland, UK und auch Schweden wird mehr als 80% des Filialnetzes über alternative Betreibermodelle angeboten.

Kein Unternehmen kann es sich erlauben, dauerhaft Leistungen bereitzustellen, die Verluste erwirtschaften. Die Post.Partner bieten vergleichbare Leistungen mit besseren Öffnungszeiten zu weitaus geringeren Kosten. In manchen Postämtern ist das Arbeitsaufkommen so gering, dass die Arbeit in einer Stunde erledigt werden kann. Da ist es doch für alle vorteilhaft, wenn diese Arbeiten durch einen Einzelhändler, einen Apotheker oder einen anderen Betrieb im Ort „mitgemacht“ werden. Die Bevölkerung profitiert durch kurze Wege und bessere Öffnungszeiten, der Einzelhandel durch zusätzliche Umsätze, die helfen seine Existenz zu sichern, und wir können unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Viele Freunde und Bekannte von mir sind auch über die Situation mit den gelben Zetteln sehr unglücklich. Manche müssen sich sogar Urlaub nehmen, um ihre Briefe abzuholen. Deshalb ist es gerade für berufstätige Menschen ein enormer Komfortgewinn im Leben, wenn sie auch abends oder samstags ihre Post abholen können.

Ich frage mich angesichts mancher Reaktionen, warum das Thema der Postamtsschließungen so emotional besetzt ist. Noch dazu wo es gelungen ist, Kündigungen zu vermeiden, die Dichte der Poststellen zu steigern und die wirtschaftlichen Anforderungen an die Post umzusetzen.

Vielleicht ist die Notwendigkeit für die Veränderungen, für den Wandel noch nicht überall in der Klarheit angekommen oder akzeptiert worden. Vielleicht wurde das Thema auch noch nicht ausreichend kommuniziert und erklärt.

Schreiben Sie mir doch Ihre Meinung zu diesem Thema!